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Kleines Lexikon der Holzkunst Kleines Lexikon der Holzkunst Kleines Lexikon der Holzkunst.jpg) Adventsleuchter Als Adventsleuchter bezeichnet man 4-armige Tisch- oder auch Hängeleuchter, zumeist in der Farbe Rot oder Blau, auf denen verschiedene figürliche Szenen gestaltet sein können. Auf die Lichtertüllen werden nach Zahl des Adventwochendes Kerzen gesteckt. In der seriellen. kunstgewerblichen Fertigung sind Adventsleuchter seit den 1930er Jahren, mitunter hat man sie auf dem Tisch mit Schmuck aus Tannengrün aufgestellt. Eine Besonderheit ist das Adventshaus, eine Hauspyramide, bei der zu jedem Advent ein weiteres Türchen geöffnet werden kann.
 Arche Noah Seit dem 18. Jh ist die Arche Noah in Europa ein verbreitetes Familienspielzeug. Durch die Herkunft des Motivs aus dem alten Testament blieb das Archenspiel überwiegend mit der biblischen Erzählung verbunden. Als hölzernes Behältnis diente das Archenhaus als Verpackung, war aber für das Kind zugleich Spiel- und Handlungsort. Das Erzgebirge war Ende des 19. Jahrhunderts zum wichtigen Hersteller der Spielzeugarchen geworden. Zahlreiche Familien stellten variantenreiche Schiffs,- Brett- oder Räderarchen her. Das Dach oder ganze Wände konnten geöffnet werden, um die Figuren und die Tierbesatzung zu verstauen. Die Tierbestückungen mit bis zu "300 Creaturen", einschließlich der auf den Beipackzetteln vermerkten "Cameele", "Trampelthiere", "Elephanten" bis hin zum Heupferd, Käfer und Johanniswürmchen, waren zumeist reifengedreht, gedrechselte Dockenfigürchen ergaben Noahs Familie. Die hölzerne Arche ging hunderttausendfach vom Erzgebirge in alle Welt.
.jpg) Baukasten Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden im Erzgebirge die ersten Baukastenfabriken. Die im Seiffener Ortsteil Oberseiffenbach im Jahr 1850 gegründete Baukastenmanufaktur “Samuel Friedrich Fischer” (bis 1990) stellte die erste industrielle Baukastenfertigung der Welt dar. Ihre Erzeugnisse, vor allem die bekannten Fröbelgaben für die Kindergärten, gingen in alle Welt und erhielten auf den internationalen Weltausstellung wiederholt Auszeichnungen. Heute stehen Holzbaukästen “made in erzgebirge” für Tadition, Innovation und modernes Design. Erzgebirgische Holzbaukästen sind pädagogisch wertvoll und werden auch gegenwärtig in andere Länder exportiert.
 Bergmann/Lichterbergmann Der Bergmann hatte ein ausgeprägt emotionales Verhältnis zum Licht. Es war nicht nur Beleuchtungsquelle bei seiner äußerst gefährlichen Arbeit unter Tage sondern auch Sinnbild für Glück und Leben. Bereits im 17. Jahrhundert dienten in Kirchen des Erzgebirges aus Zinn gefertigte Knappenfiguren als Träger der Altarkerzen. Geschnitzte lichtertragende Bergmannsfiguren für den privaten Gebrauch folgten nach. Erst die im Spielzeuggebiet gedrechselte Form führte zu größerer Verbreitung und Beliebtheit dieser weihnachtlichen Figur. Dabei wurden Arme und Füße noch bis etwa 1920 aus Masse frei geformt. Schachthut, Arschleder, Tscherpertasche und die schwarz-weiße Bemalung sind charakteristische Merkmale des gedrechselten Seiffener Lichterbergmannes.
 Blümchendreherei Das Aufspanen und Aufrollen von Holz mit dem Dreheisen regte bereits im 19. Jahrhundert die Phantasie zum Gestalten verschiedenster floraler Motive an. Dazu werden am Langholz durch die besondere Handhabung des Dreheisens Späne erzeugt, die durch ihre abgestufte, kreisrunde Anordnung einen Blütenstand darstellen. Das Holz, zumeiste Linde, sollte leicht feucht sein, um die Geschmeidigkeit der Faser zu erhöhen. Die rohen Blüten werden mit Ölfarbe in naturalistischer Manier eingefärbt. Mit der Miniaturisierung waren nach 1920 kleinste Blumensortimente entstanden, die in Form von Blumenstöckchen und Blumenrabatten zur beliebten Ausstattung von Puppenstuben gehörten. Die Vielfalt der Erzeugnisse reicht heute bis hin zu umfangreichen Blumenmarktszenen.
 Drechseln In der Spielzeugregion Seiffen steht seit über 300 Jahren das Drechseln von Holz im Mittelpunkt handwerklicher Arbeit. Vornehmlich werden bis heute alle figürlichen Gestaltungen davon geprägt. Grundsätzlich existieren zwei Möglichkeiten zu drechseln; das Querholz- und das Langholzdrechseln. Die Doppelbezeichnung "Teller- und Spindeldreher", wie sie um 1650 die Existenz der Holzdreherei für das Seiffener Gebiet erstmals urkundlich belegt, deutet auf die Fähigkeit hin, beide Techniken beherrscht und für verschiedene Produktgruppen angewendet zu haben. In der Mitte des 18. Jahrhunderts vollzog sich in Seiffen der allmähliche Übergang von der Gebrauchsgutdrechselei (Teller, Gefäße, Knöpfe, Nadelbüchens usw.) hin zur Spielwarenfertigung. Figürliches Langholzdrehen stand fortan im Zentrum. Als Sonderform hat sich um 1800 das Reifendrehen herausgebildet, welches bis heute einmalig auf der Welt ist.
 Engel/Lichterengel Der Lichterengel ist in gedrechselter Form nicht vor 1830 nachweisbar. Als entscheidende Vorbilder sind die Nürnberger Rauschgoldengel anzunehmen. Sie wurden offenbar vom erzgebirgischen Holzdrechsler mit der Puppendocke zur stehenden, hölzernen Engelfigur mit Lichtertülle und Holzflügeln verschmolzen. Die Zeit des Biedermeier hat die Engelfigur stark beeinflusst; eingeschnürte Taille oder Blumenornamente, in Schwämmchentechnik aufgetragen, sind noch heute verbreitete Attribute. Aus der Engelskrone mit Bögen und Zacken wurde in Seiffen eine schlichte Drehform, die dem bergmännischen Schachthut ähnelt.
 Holzspielzeugmacher Noch in der "Blütezeit" des Bergbaus mußten viele Seiffener Bergleute wegen des geringen Einkommens in Zweit- und Nebenberufen ihren Verdienst aufbessern. Nicht Stunden der Muße, sondern Zeiten der wirtschaftlichen Not zwangen den Bergmann bald zum Berufswechsel. Eine alternative Erwerbsquelle bot seit dem 17. Jh. die Holzverarbeitung. Dabei stand das Drechseln als eine rationelle Technik im Mittelpunkt. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden neben Gebrauchsgütern zunehmend Spielzeuge gefertigt. Das Handwerk des Spielzeugmachens ist bis heute typisch für die Region und wird als Sonderberuf in dreijähriger Ausbildung vermittelt.
 Klimperkasten Klimperkästchen oder Klingkästchen, das Kräftespiel von Rädern, Kurbeln, Pendeln auszunutzend, gehören zu den traditionellen Kurbelspielzeugen. Nach dem Prinzip der "Altdorfer Leier" (Altdorf bei Nürnberg war einst ein wichtiger Erzeugerort) ertönen hier beim Betätigen einfache schnarrende oder klirrende Laute. Dazu reißen die im Inneren des Kästchens mitbewegten Federkiele an straffgespannten Metalldrähten. Die einfache Reibradechanik belebt dazu die szenischen Darstellungen auf dem Kästchen: Tanzpaare oder Reiter drehen sich im Kreise, eine Bäuerin bewegt den Stampfer im Butterfaß, Tauben am Taubenschlag kreisen oder Vögel picken kleine Körnchen.
 Krippenfiguren Im Erzgebirge hat das "Krippebauen" und der Umgang damit seit dem 18. Jahrhundert eine feste Tradition. Was sich anfänglich als orientalisch gehaltene Schnitzerei im Westerzgebirge äußerte, nahm später immer mehr einheimische Elemente, besonders der Bergmannskultur auf. Erzgebirgischer Krippenbau war und ist Volkskunst und Volksfrömmigkeit. Seit 1850 gehören komplette Ausstattungen, die von den zentralen biblischen Figuren bis hin zu Schäfereien, Bäumen und Zäunen reichten und in Kartons oder Spanschachteln verpackt waren, auch zum Seiffener Warenangebot. Dabei hat eine “Seiffener Krippe” keineswegs den kunstvollen Naturalismus südländischer Krippen erreichen wollen. Vielmehr war die spielzeughafte Serie entscheidend, wurden die Figuren gedrechselt oder auch aus Masse gedrückt.
 Kurrende Der Name Kurrende ist sprachlich abgeleitet vom lateinischen Wort "currere", was heißen soll: Laufen. Tatsächlich war es einst ein laufender kirchlicher Knabenchor. Kurrendekinder übernahmen kirchliche Hilfsdienste. Sie waren Chorknaben auf der Empore, halfen als Läutejungen und betreuten als Begräbniskurrende die kirchlichen Beerdigungen. Noch heute gehen in Seiffen (und in anderen Erzgebirgsorten) schwarz gekleidete Kurrendesänger mit Laterne und leuchtendem Stern von Haus zu Haus und wünschen mit Chorälen und festlichen Liedern eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Um 1935 wurde von Max Schanz eine kleine Figurengruppe aus Holz gestaltet, die bis heute vielerlei Nachahmungen, Variationen und Erweiterungen fand. Zumeist stehen Kurrenefigürchen im Zusammenhang mit dem hölzerenen Modell der Seiffener Kirche.
 Leuchter/ Weihnachtsleuchter Barocke Nachwirkungen prägten im 19. Jahrhundert die Herausbildung der erzgebirgischen Weihnachtsleuchter. Dabei hatten prächtige Glaslüster, wie der um 1670 in der Heidelbacher Glashütte geschaffene Glashängeleuchter in der Seiffener Kirche, Vorbildfunktion. Die aus dem Flämischen stammenden mehrarmigen Metall-Spinnenleuchter dürften zur typischen Spinnenform im Drechslergebiet geführt haben. In eine profilierte hölzerne Mittelspindel sind gedrechselte, S-förmig geschwungene Lichterhalter gesteckt. Zapfen, Glöckchen, Kugeln oder Sterne schmücken diese Grundgestaltung. Beim Kettenleuchter hingegen werden 6 oder 8eckige Holzkränze durch kugelbesetzte Drähte gehalten. Oft fanden zur Ausschmückung der Leuchter auch Glasschaumkugeln Verwendung. Eine Besonderheit ist der Hängelaufleuchter. Dem Prinzip der Pyramide folgend werden hier im Leuchter figurenbesetzten Scheiben in einer extra Konstruktion geführt und über ein Flügelrad in Bewegung versetzt.
 Mettenlaterne Der alte Brauch, am Heilig Abend mit besonders dekorierten Laternen zur Christmette zu gehen, erfuhr in seiffen nach 1915 eine starke Belebung. Auf Anregung des damaligen Leiters der Seiffener Spielzeugfachschule, Prof. Alwin Seifert, wurden Mettenlaternen als Bestandteil der Ausbildung von Fachschülern gefertigt. Sternenmuster, Figuren der Weihnachtsgeschichte, Landschaftsbilder, aber auch Spielzeugformen waren fortan die Motive der zahllosen Schablonen, nach denen man mit der Laubsäge ausschnitt und mit farbigem Papier gestaltete. Hölzerne Schmucklaternen spielten später auch in der Arbeitsbeschaffung eine Rolle und sind heute im Weihnachtsbrauchtum der ganzen Region zu Hause.
 Miniaturspielzeug Steigende Holzpreise und veränderte Gewichts-zollbestimmungen haben in der erzgebirgischen Spielzeugindustrie um 1900 zu Miniaturisierung geführt. Verstärkt wurden verkleinerte Formen von Figuren, Häusern, Fahrzeugen und Zubehör nach "Nürnberger Maß" auf den Markt gebracht. Genial erwies sich die Entwicklung, Kleinstspielzeug in einer Zündholzschachtel anzubieten. Auch die winzigen Puppenstuben, die weniger zum Spielen, sondern eher als Schau- und Sammelstück geeignet scheinen, waren günstig für den beim Export erhobenen gewichtsorientierten Zoll und wurden alsbald zum begehrten Souvenirartikel. Zeitgenössische Motive an Fahrzeugen und Flugzeugen, die beeindruckende Miniaturdrechselei sowie eine detailgetreue Bemalung und das Vermögen, selbst kleinste Spieldinge meisterhaft zu gestalten, waren Merkmale dieser neuen Seiffener Volkskunst.
 Nussknacker Zum symbolträchtigen Traditionsschmuck der Weihnachts-zeit gehören Nüsse, als Zeichen des aufkeimenden Lebens ebenso wie als Bote des Neuen und Unbekannten. Um an den "süßen Kern" zu gelangen, geriet das Knacken der Schale oft zur kultischen Handlung. Bereits im 18. Jh. wurden "Nußbeißer" besonders gern als Figuren mit Elementen leiser Ironie und volkstümlicher Sozialsatire gestaltet. Als einer der ersten Schöpfer des heute weltberühmten Seiffener Nussknackers gilt Wilhelm Friedrich Füchtner, der um 1870 im Nebenerwerb begann, gedrechselte, figürliche Nussknacker herzustellen. Einfache, spielzeughaft gestaltete Soldaten, Bergleute, Feuerwehrmänner und Polizisten, aber auch Türken gehörten zum Sortiment der ersten Jahrzehnte.
 Pyramide/Weihnachtspyramide Die erzgebirgische Drehpyramide hat sich um 1800 herausgebildet. In ihr haben Lichterbrauchtum und bergmännische Bastelei eine sinnfällige Vereinigung gefunden. Vorläufer waren pyramidenartige, mit Girlanden geschmückte unbewegliche Lichtergestelle, aber auch mechanisch betriebene Bergwerksmodelle. Göpelpyramiden verdeutlichen als Erinnerung an bergmännische Zimmermannskünste die Beziehung zwischen einer Weihnachtspyramide und dem Bergbau am klarsten. Die Form der Stabpyramide ist in Anlehnung an ursprüngliche Lichtergerüste entstanden. Für den Seiffener Raum sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Stufen- und Stockwerkspyramiden bedeutsam, die in Proportion und detailreicher Ausstattung zu Kostbarkeiten des Pyramidenbaues wurden. Ihre Wirkung beruht besonders auf dem Kontrast von gedrechselten Grundformen und geschnittenen Architekturteilen. Auf mehreren Etagen sind thematisch Figuren- und Tiergruppen angeordnet, die neben der biblischen Weihnachtsgeschichte auch die bergmännische Erlebniswelt sowie das dörfliche Leben einbeziehen. Turm- und hausartige Varianten ergänzen die Vielfalt.
 Räuchermann Zur Erzgebirgsweihnacht gehört seit Jahrhunderten der Weihrauchduft. Handgeformte Räucherkerzen, aus einem Teig von gemahlener Holzkohle, Rotbuchenmehl, Kartoffelstärke und Duftstoffen gefertigt, wurden im Westerzgebirge bereits vor 1800 gefertigt. Die aufkommende Volks(un)sitte des Pfeiferauchens dürfte dem Spielzeugmacher Anlass gewesen sein, die duftverströmende Räucherkerze in eine hohlgedrehte Figur zu stellen. Die ersten hölzernen Räuchermännchen mit aus Teig geformten Armen, Füßen und Gesichtern werden für die Zeit um 1850 dem Seiffen-Heidelberger Drechsler Ferdinand Frohs zugeschrieben. Schmauchend, mit der Pfeife im Mund, wurde der Räuchermann neben der Darstellung von Türke und Rastelbinder vor allem zum Abbild des gemütvollen Dorfbewohners.
 Reifendrehen Eine Besonderheit der erzgebirgischen Spielzeugfertigung ist das Reifen- oder Spaltringdrehen, das heute nur noch von wenigen Drechseln beherrscht und ausgeübt wird. Die Eigenart dieses Verfahrens besteht darin, in einem nassen Fichtenholzring (Reifen) mit speziellen Drechslerwerkzeugen die Umrisse einer Figur, zumeist eines Tieres, zu formen. Beim Drehvorgang kann der Reifendreher das Profil noch nicht sehen. Erst nach dem Aufspalten des Ringes wird in seinem Querschnitt die beabsichtigte Gestalt sicht- und überprüfbar. Eine Korrektur ist dann kaum mehr möglich. Reifendrehen verlangt daher hohes drechslerisches und gestalterisches Können, Augenmaß sowie eine ausgeprägte Formvorstellung. Die abgespaltenen 40 bis 60 Rohlinge sind anschließend zu beschnitzen und zu bemalen. Die Technologie des Reifendrehens ist um 1800 entstanden und nur in Seiffen und Umgebung beheimatet.
 Schnitzen Im Gegensatz zum Drechselgebiet Seiffen wurde und wird vor allem im westlichen Erzgebirge das Holz durch Schnitzen gestaltet. Im bergmännischen Formenschatz und Brauchtum verwurzelt, hat sich hier die volkstümliche, mitunter in Schnitzvereinen gepflegte gemeinschaftliche Schnitzerei bis zur Schnitzkunst und geschnitzten Plastik entwickelt - als naturalistische Ausformung oder auch in stilisierter bildhauerischer Form. Dem handwerklichen Prozeß des figürlichen Schnitzens gehen oft zeichnerische Übungen voraus. Der zu schnitzende Gegenstand muß oftmals gedreht und gewendet werden, um die räumliche, plastische Form zu überprüfen. Eine Besonderheit ist die Flachschnitzerei, in der brettchenhaft durch kraftvolles Beschnitzen vorgefertigter Flachprofile eine expressiver Stil gepflegt wird.
Schwebeengel Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Spielwarengebiet Seiffen sogenannte Schwebeengel als Weihnachtschmuck. Geschnitzt oder modelliert und oft zum aufwendig dekorierten Hängeleuchter ausgebaut, erinnern sie an Verkündigungsengel und Verkündigungsspiele in erzgebirgischen Kirchen.
 Schwibbogen Der Schwibbogen gehört inzwischen über 250 Jahre zur Erzgebirgsweihnacht. Seine ursprüngliche Heimat ist die Bergstadt Johanngeorgenstadt, wo um 1726 der Bergschmied Johann Teller den ersten schmiedeeisernen Bogen gefertigt haben soll. Die Bezeichnung Schwibbogen lehnt sich an den architektonischen Begriff an, der damit einen frei zwischen zwei Mauern stehenden und von diesen gestützten Schwebebogen meint. Der Überlieferung nach soll die Gestalt des Schwibbogens auch davon abgeleitet sein, daß die Häuer zur Mettenschicht am "Zechenheiligabend" ihr brennendes Grubengeleucht halbkreisförmig, also das Stollenmundloch andeutend, an die Wand hingen. Hölzerne Schwibbögen sind erst im 20. Jahrhundert aufgekommen, als geschnittene "Laubsäge"-Silhouette ebenso wie als gespannter Holzrahmen mit gedrechselten, körperhaften szenischen Darstellungen im Inneren. Seiffener Schwibbögen gehen mitunter auf Entwürfe von Max Schanz zurück und zeigen Seiffen als gemalte winterliche Silhouette.
 Spanbaum Die Eigenschaft der Holzfaser, sich unter bestimmten Bedingungen zu rollen, wurde und wird auch in der Spielwarenherstellung genutzt. Spielzeugbäume mit gespanten Elementen sind bereits im Waldkirchner Musterbuch von 1850 abgebildet. Erst um 1920 hat man diese Alttechniken wieder aufgegriffen und im kunsthandwerklichen Sinne neu belebt. Bekanntestes Beispiel ist der Spanbaum, der inzwischen fest zur Weihnachtsdekoration gehört. Voraussetzung dafür ist gerade gewachsenes astfreies Holz, zumeist wird Linde verwendet. Wird die sogenannte “Kellerfeuchte” eingehalten, haben die Fasern ihre Sprödigkeit etwas verloren, so daß man mit dem Stemmeisen leicht gebogene Späne “anschnitzen” kann. Ausgangspunkt ist eine gedrechselte Mittelspindel, die zum Stechen der in 4 bis 8 Reihen versetzten Locken in ein Gestell eingespannt wird. Gearbeitet wird von der Spitze des Baumes abwärts.
.jpg) Spieldose Spieldosen lehnen sich an die hölzernen Klimperkästchen an, die seit 1800 fest zum erzgebirgischen Spielwarensortiment gehört haben. Auch stehen Spieldose und Leierkasten in verwandtschaftlichen Verhältnis und es gibt Berührungspunkte zu Spieluhr und Polyphon. In szenischen Spieldosen erfährt oft der Weihnachtsgedanke seine sinnerfüllte Begleitung - auch durch die im Inneren erzeugte Begleitmelodie. Die Poesie der immerwährenden Kreisbewegung, die Zwiesprache von Musik und Figuren und die Umsetzung der kleinen Melodien in die Stofflichkeit des Holzes mögen reizvolle Ansatzpunkte dafür gewesen sein, daß im Erzgebirge seit etwa 1935 mannigfaltige Spieldosen mit Kinder- und Märchenszenerien gefertigt werden.
 Striezelkinder Der Holzschnitt von Ludwig Richter "Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe" war sicher Anregung gewesen für hölzernen Figuren, die um 1930 von Max Schanz und Max Auerbach gestaltet wurden und bereits 1937 auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille erhielten. Die Oberkörper der gedrechselten und mit matter Ölfarbe gestrichenen Figuren sind leicht nach hinten geneigt, um das Gewicht der mit allerlei "Weihnachtskram" gefüllten Bauchläden auszugleichen. Der Dresdner Striezelmarkt Traditionsmarkt war im 19. Jh. ein Ort, an dem die Armen der Stadt Dresden, auch Kinder, durch einen kleinen Verkauf ihr Los aufzubessern versuchten. Die Seiffener Striezelkinder mit ihrem unverwechselbaren hölzernen Formcharakter werden noch heute in der Genossenschaftlichen Werkstatt hergestellt.
 Weihnachten Weihnachten - in den geweihten Nächten - ist ein christliches Fest, dessen Anfänge im Rom des 4. Jh. zu suchen sind. Seither hat es sich auf der ganzen Welt ausgebreitet und Wandlungen vollzogen. Verschiedene Glaubensrichtungen und unterschiedlichste Kulturen haben es ebenso beeinflusst wie vorchristliche Schutzbräuche, Kulte der Wintersonnenwende oder allgemeine sinnlich-rituale Handlungen zur Erhaltung von Glück und Segen. Nach dem Spruch “Alles kommt vom Bergbau her” hat die erzgebirische Weihnacht einen besonderen Charakter: Viel Licht, Frömmigkeit, Freude an der volkskünstlerischen Eigenschöpfung weichnachtlicher Schmuckelemente. Ab dem beginnende 19. Jh. bildeten sich viele der heute noch typischen Gestaltungen, wie Pyramiden, Leuchter, Schwibbögen, Figuren heraus.
 Weihnachtsberg bis ins 18. Jahrhundert zurück verfolgt werden. Ob in Kombination mit einer Krippenszene, als heimatliche Kulisse der Landschaft und des Bergbaus oder als mechanisierte Anlage mit vielgestaltigen beweglichen Objekten, die Kultur der Weihnachtsberge brachten stets auch die Freude am Basteln und am kreativen Umgang mit dem Werkstoff Holz zum Ausdruck. Die "Christmette zu Seiffen", ein winterlicher Weihnachtsberg, geht auf das Jahre 1915. Inhaltlich bezieht sich die Darstellung auf den Brauch, zur Christmette mit selbstgefertigten Holzlaternen zu gehen. Im Mittelpunkt steht die tiefverschneite Seiffener Bergkirche. Figuren aus der Hand des Männelmachers Karl Müller beleben diesen Heimatberg, der heute im Seiffener Spielzeugmuseum zu bestaunen ist.
 Zündholzschachtelware 1905 erschien in Gestalt der "Erzgebirgischen Bauernstube mit der Ofenbank" die erste Miniatur in der Zündholzschachtel. Dazu waren Einrichtungsgegenstände einer verkleinerten, als Souvenir gedachten Bauernstube in eine Zündholzschachtel eingeklebt worden. In den Folgejahren kamen im Raum Seiffen über 100 verschiedene Ausführungen dazu, in Seriengrößen von Hunderttausenden pro Jahr. Einfallsreich und kunstfertig gestaltet waren in der originellen Verpackung neben festeingeleimten Szenerien auch bewegliche Miniaturen, Konstruktionssortimente und kleinste Gesellschaftsspiele zu haben. Selbst in Zeiten größter Absatzschwierigkeiten fand diese billige Spielware ihre Käufer, zumal eine solche Schachtel als "Pfennigware" auch für die ärmsten Schichten
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